Fotografie und die Bundestagswahl 2017

Fotografie ist als visuelle Kommunikation oder als Kunst eine Form der Meinungsäußerung. Ein Fotograf sagt durch seine Bilder, was ihm gefällt, und zeigt, was ihm nicht gefällt. Mit der Fotografie verdeutlicht der Fotograf seine Meinung und bezieht Stellung zum Motiv oder nutzt sogar das Motiv, um Stellung zu etwas zu nehmen. Fotografen sind niemals gleichgültig. Es kann nicht sein, dass ein Fotograf zur Bundestagswahl 2017 keine Meinung hat oder keine Motivation verspürt, genau in dieser wichtigen Angelegenheit seine Meinung nicht wirksam werden zu lassen.

Bitte geht zur Wahl, Ihr Fotografen! Nutzt Eure Chance, demokratisch für das Position zu beziehen, was Euch wichtig ist! Glaubt nicht, dass andere Bürger schon für Euch mit stimmen werden, weil Ihr glaubt, Eure politische Meinung würde gewiss durch die die Mehrheit repräsentiert werden. Oder glaubt bitte nicht, dass Eure Stimme keinen Wert habe oder dass es egal sei, wer von den großen Volksparteien nun das Ruder in die Hand nimmt und den Kurs Deutschlands bestimmt. Jede Stimme zählt und nur wenn es eine hohe Wahlbeteiligung gibt, kann man sicher sein, dass die dann gewählten Parteien zu recht und im Sinne der Demokratie das Volk vertreten.

Ich bin der Meinung, dass Angela Merkel, trotz ihres derzeit großen Vorsprungs gegenüber ihres Mitbewerbers Martin Schulz, keineswegs zuversichtlich auf den Ausgang der Bundestagswahl 2017 warten kann. Wer Angela Merkel als Bundeskanzlerin sehen möchte, muss sie aktiv durch seine Wählerstimme unterstützen, denn Angela Merkel droht die größte Gefahr aus der Siegesgewissheit und der deswegen fehlenden Lust, für ihren Wahlsieg aktiv zu werden.
Martin Schulz muss aggressiv für seinen Wahlsieg kämpfen, denn als Herausforderer muss er Wählerstimmen deutlich aktiver sammeln. Ihm fehlen dazu auch noch die großen Auftritte, von denen seine Gegenspielerin profitieren kann, da er kein politisches Amt bekleidet, was ihm eine repräsentative Bühne für seine Inszenierung bietet. Martin Schulz braucht motivierte Wähler, die ebenso zuversichtlich wie er sind und ihn mit dem Gang zur Wahlurne unterstützen.
Die kleineren Parteien werden zu einem großen Teil von Bürgern gewählt, die ein konkretes Parteiprogramm schätzen oder generelle Ideologien dieser Parteien unterstützen. Hier finden sich oftmals die motiviertesten Wähler, die mit ihrer Stimme ein Akzent setzen wollen oder sich gut überlegt für die politische Tendenz in einer möglichen Regierungskoalition einsetzen. Gerade mit den Stimmen für die kleineren Parteien kommt es bei der Bundestagswahl 2017 vermutlich zu einer Gratwanderung, so dass die Wählerstimmen für die kleineren Parteien das Zünglein an der Waage für die politische Ausrichtung der kommenden Regierung sein werden.
Sogar die Anhänger der Parteien, die auf jeden Fall einen Teil der politischen Opposition stellen werden, müssen für die Partei ihrer Wahl hoch motiviert zur Urne gehen. Es liegt an den Wählern der Oppositionsparteien, wie stark die Opposition sein wird und diese Bürger sind es letztendlich, die bestimmen, wie lebhaft und kontrovers in Zukunft Politik in Deutschland gemacht wird.

Zum guten Schluss möchte ich noch kurz darauf hinweisen, dass die Bundestagswahl 2017 auch einen ganz konkreten Einfluss auf die Fotografie haben wird. Wie mit Fotografien umgegangen wird, die Eltern von ihren Kindern machen, war schon ein Thema in der Rechtsprechung. Ein Teil von uns Fotografen wird mit der Entwicklung sehr zufrieden sein, der andere Teil von uns Fotografen ballt vor Zorn die Faust in der Tasche. Aber auch speziellere Themen rund um die Fotografie, so zum Beispiel das Fotografieren und Filmen von ferngesteuerten Flugobjekten, sind von der Bundestagswahl 2017 unmittelbar betroffen. Und wer als Fotograf wählen geht, sollte unbedingt beachten, welche höchst merkwürdigen Tendenzen es in der Rechtsprechung bereits gibt, die natürlich von politischen Strömungen abhängig sind. So gibt es bereits Urteile, dass das Fotografieren von Personen untersagt wurde, obwohl es kein Gesetz gibt, was das verbietet. Begründung des Gerichts war, dass digitale Bilder von fotografierten Personen durch Hacker gestohlen und dann tatsächlich illegal veröffentlicht werden könnten. Wird zukünftig schon der Kauf einer Kamera verboten, weil schlussendlich damit ja die Fotos gemacht werden, die im Falle eines Datenklaus entgegen dem Willen des Urhebers veröffentlicht werden könnten? Wie auch immer, wir Fotografen haben eine ganze Reihe juristischer Pflichten und Beschränkungen, die mehr oder weniger sinnvoll sind, aber wir haben auch sehr schöne Rechte oder zumindest Freiheiten, die uns bezaubernde Motive bescheren. Man betrachte dazu den umgangssprachlichen Panoramaparagrafen, der uns erlaubt, von öffentlichem Grund Privateigentum zu fotografieren, ohne das Landschaftsaufnahmen gar nicht möglich wären. Oder man stelle sich vor, wie Fotos von Veranstaltungen in Zeitungen oder anderen Medien aussehen würden, wenn man ohne explizite Erlaubnis aller fotografierten Personen keine Bilder veröffentlichen dürfte.
Bitte geht zur Bundestagswahl 2017, Ihr Fotografen und Freunde an Fotografie, Film und Ton. Wer Medien erschafft, muss Stellung beziehen!